Freitag, 24. Mai 2019

Entschleunigen in Finnland

Entschleunigen, hmm. Was gibt es denn zusätzlich an einer Fahrt oder einem Urlaub mit dem Landy noch zu entschleunigen? Wir wissen es noch nicht aber wir werden es herausfinden.

Dieses Jahr werden wir weniger auf dem Weg nach Finnland entschleunigen dafür mehr in Finnland. Dort, wo die Luft außergewöhnlich gut sein soll und endlose Wälder und viele Seen die gestresste Feuerwehrfrau und den gestressten Büromenschen locken.

Diesmal führen uns allerdings getrennte Wege zum gemeinsamen Ausgangspunkt nach Helsinki:

  • Silvia fährt mit dem Landy und der Fähre von Travemünde nach Helsinki und erkundet dann die Stadt auf eigene Faust.
  • Bernd fliegt eine Woche später von Düsseldorf nach Helsinki und wird von ihr hoffentlich am Flughafen abgeholt.
Doch der Reihe nach.


Vorbereitungen


Wie vor jeder großen Reise wird der Landy fit gemacht. Die Solaranlage mit einer neuen Batterie wurde ja schon verbaut und so widmen wir uns dem Wechseln aller Öle und Filter an einem sonnigen Wochenende.

Dieses mal habe ich mich für Schmierstoffe aus dem Sortiment der Firma Fuchs entschieden. Aus den Vorschlägen vom Ölwegweiser sind folgende Produkte ausgewählt:

  • TITAN Supersyn F Eco-DT SAE 5W-30 (Motoröl)
  • TITAN SINTOPOID LS SAE 75W-90 (alle Getriebe)

Mit der Beschränkung auf diese beiden Produkte kann ich die Öle in den großen Gebinden zu 20 Liter bzw. 4 Liter bestellen. Als Fuchs Handelspartner bietet sich die Firma Hubert Lethen
Mineralölhandelsgesellschaft mbH in Ratingen an und Silvia holt die Öle auf dem Weg nach Hause ab.

Beim Ölwechseln auf der Grube realisiere ich dann tiefe Riefen im Homokineten auf der rechten Seite und so steht dort eine Reparatur noch vor der Reise an. Nach erfolgter Reparatur werden nach 50 km die Radmuttern mit dem vorgegebenen Drehmoment von 170 Nm angezogen und noch die Schmiernippel der Kardanwellen gefettet.

Die Hauptuntersuchung ist nach 2 Jahren auch wieder fällig und wird beim TÜV in Neuss gemeistert. Dort arbeiten auch reisebegeisterte Mitarbeiter und so tauschen wir unsere Reiseerlebnisse von Island, dem Baltikum und Finnland aus.


Kartenmaterial


Nicht nur aus Gewohnheit sondern aus Überzeugung greifen wir zur Planung wieder auf die Karten aus dem Reise-Know-How Verlag zurück.



Aus Finnland selbst kommt ein genialer Autoatlas: GT Tiekartasto Suomi



Die immer noch aktuelle Ausgabe aus 2018 kaufen wir nach der Ankunft in Finnland.

Und schlussendlich darf auch der Finnland Reiseführer aus dem WOMO Verlag nicht fehlen.



Mehr Reiseführer brauchen wir nicht.


Anreise


Silvia fährt nach Dienstschluss mit dem Landy Richtung Norden. Nach einem Zwischenstopp in Ascheberg verbringt sie die Nacht in der Wohnmobil Oase in Bremen. Die 6 WOMO Stellplätze sind schon belegt aber für den Landy ist auch auf einem normalen Parkplatz ausreichend Stellfläche vorhanden. Das Frühstücksbuffet am nächsten Morgen verwöhnt den Gaumen.



Dann geht es über Lübeck weiter nach Travemünde. Von Travemünde aus bedienen die Fähren der Finnlines die Strecke nach Helsinki in bequemen 29 Stunden und die 1.132 km bleibt der Motor vom Landy aus.




Das Einchecken der hohen Fahrzeuge zieht sich bis nach Mitternach hin und es geht pünktlich um 03:00 los.


Tag 1 (auf See)


Ruhige See und Sonnenwetter verwöhnen Silvia auf dem leer gefegten Oberdeck. Es geht vorbei an den schwedischen Inseln Öland und Gotland und die Nähe zum Festland wird für die Kommunikation mit der Heimat genutzt.

In der Nacht werden die estnischen Inseln Saaremaa und Hiiuma passiert, ehe die Reise um 09:00 in Helsinki endet.


Tag 2-4 (Helsinki)


Die Fähre kommt pünktlich in Helsinki an. Silvia fährt zum Campingplatz, der verkehrstechnisch sehr günstig gelegen ist. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommt Frau zuverlässig nach Helsinki rein und auch wieder raus. Ein Tagesticket kostet 8 € und berechtigt auch zur Benutzung der öffentlichen Fähre zur Insel Suomenlinna.

Das Wetter spielt tagsüber meistens mit und so wird die Stadt erkundet. Die Gaumenfreuden kommen auch nicht zu kurz, trotz für uns gesalzener Preise. Mal sehen, ob es auf dem Land etwas preiswerter wird.









Tag 5


Heute bin ich nach Helsinki geflogen. Der Flieger war bis auf den letzten Platz belegt, die allermeisten Reisenden haben in Helsinki den Flieger gewechselt und sind dann weiter nach Asien geflogen.

Wegen der aktuellen Grossbaustelle am Flughafen war es mit dem Abholen am Terminal nicht so einfach und ich bin von Silvia dann zwischen Parkhaus P5 und Hilton Hotel eingesammelt worden.

Auf der Autobahn ging es dann erst einmal aus der Stadt hinaus nach Porvoo. Am Yachthafen sind kostenlose Parkplätze und von dort sind es nur ein paar Minuten zu Fuß in die Stadt. Wir bleiben erst einmal auf der westlichen Flußseite und gehen bis zum alten Bahnhof. Von den Gleisanlagen ist nicht mehr viel übrig geblieben. Das ehemalige Empfangsgebäude wird zu Wohnraum umgestaltet.




Am Wasser sind mehrere Restaurants und Cafes und wir lassen uns in einem von Bikern frequentierten Pub nieder. Die Sonne scheint und zugleich geht ein frischer Wind.

Der Weg zu unserem Übernachtungsplatz führt uns noch an St. Michael in Pernå vorbei.



Für heute sind wir genug gefahren und machen windgeschützt an einem Badestrand Rast. Ausser dem Rauschen des Windes und dem Vogelgezwitscher stört kein Geräusch die Idylle.


Tag 6


In der Nacht hat es geregnet und weiter ordentlich gewindet. Auch am Morgen nieselt es und so frühstücken wir im Landy. Das ist gar nicht so verkehrt, kocht doch das Wasser schneller als draußen und der wohlverdiente Frühstückskaffee weckt die Lebensgeister eher.

Unser erstes Ziel sind die Stromschnellen in Kotka und die "Holzhütte" des Russischen Zaren, der hier seine Zeit mit Lachsangeln verbracht hat.




Dann folgen wir einer kleinen Küstenstrasse südlich der E18, ehe wir kurz vor der Russischen Grenze nach Norden auf die 387 abbiegen.




Bevor wir in die Saimaa Seenlandschaft vordringen, statten wir einer alten Schleusenanlage einen Besuch ab.




Das Reisen auf den Finnischen Straßen scheint sehr spritsparend zu sein. Bei 390 km ist der Tank halb leer; normalerweise komme ich so 350 km weit. Das liegt vielleicht an den langsamen Passagen durch die Dörfer und Städte (40 km/h) und an den Überlandetappen mit 60 bzw. 80 km/h.

Ein Stellplatz für die Nacht ist nicht so schnell gefunden. Dann tut sich doch ein Parkplatz mit angrenzender Wiese in einem Birkenwäldchen an einem See auf.



Tag 7


Nachdem der letzte LKW heute Nacht die nahe Landstraße passiert hatte wurde es so etwas von leise. Kein Mucks war zu hören, weder vom Wind noch von den Vögeln. So eine Stille habe ich schon lange nicht mehr erlebt.

Die Sonne schien schon weit vor der Aufstehenszeit auf das Dachzelt. Trotz der Wärme haben wir sie ignoriert. Das Frühstück in der Sonne haben wir genossen und nach dem Verstauen der Habseligkeiten sind wir Richtung Norden aufgebrochen.

Unser erstes Ziel ist ein kleiner Wanderparkplatz südöstlich von Ristiina. Von dort führt ein anspruchsvoller Pfad durch den Wald zum Saimaa, wo antike Felsenmalereien zu bestaunen sind. Die Schautafeln entlang des Weges sind extrem rar und der deutsche Text beschränkt sich auf eine einzige Zeile.




Die letzten Meter geht es über eine steile Treppe hinunter zum Bootsanleger. Ein Trockenklo, mit einer maximalen Verweildauer von 2 Stunden, ist für Wanderer und Bootsführer vorhanden.


Die Felsenmalereien sind nicht ganz so spektakulär wie die Landschaft und nach einer kurzen Rast gehen wir den gleichen Weg zurück zum Ausgangspunkt.




Die nächsten Fahrkilometer geht es auf einer Piste mitten durch die Seenlandschaft. An jedem See gibt es mehr oder weniger luxuriöse (Wochenend/Sommer-) Häuser und auch auf kleinen Inseln lassen sich die Finnen nieder.

Über die teilweise neu ausgebaute Landstrasse 62 fahren wir über Puumala bis Virmutjoki. Dann folgen wir einer kleinen Landstrasse in nordöstlicher Richtung, bis wir auf die Landstrasse 14 treffen. Kurz nach Punkaharju verlassen wir die 14, um parallel auf der "Scenic Road" durch die Seen zu fahren. Am Ende lassen wir uns auf einem Campingplatz nieder. Es ist absolute Nebensaison und fast alle Plätze sind frei.

Wir stehen direkt am Wasser und schmeissen den Grill an. Kurz nach dem Spülen hilft eine kurze Regenschauer die Grillbriketts zu löschen.



Tag 8


Die Nacht hat es ausnahmsweise mal geregnet und auch am Morgen liegt ein leichter Nieselschleier in der Luft. Am Sanitärgebäude gibt es eine Küche und einen schönen überdachten Frühstücksplatz und so tragen wir flugs alles Nötige vom Landy zur Frühstücksecke auf der Terasse.

Nach dem Abspülen und dem Bunkern von Trinkwasser geht die Reise weiter in das weltberühmte Lusto Forstmuseum. Den Tipp habe ich von einem Kollegen aus Australien bekommen. Um 10:00 macht das Museum auf, wir sind pünktlich da und um 5 nach 10 fängt es richtig heftig an zu regnen. Also genau der richtige Tag für ein Museum.




Da die Holzwirtschaft extrem wichtig für Finnland ist, wird hier quasi die finnische Seele erklärt und dokumentiert. Neben historischen Bildern und Filmen wird auch allerlei Gerät ausgestellt und in Diorahmen werden Prozesse und Veränderungen anschaulich präsentiert.

In der Gerätehalle steht u.a. ein Turm aus Motorsägen, ein Prototyp von einem Harvester und davor ein riesiger Pflug um Entwässerungsgräben zu ziehen. Es ist alles sehr beeindruckend und wirklich toll präsentiert. Im Garten wird gerade ein Blockhaus zusammengebaut und die Verzahnungstechnik an den Enden ist sehr interessant. Der Besuch ist ein MUSS.


Dann geht es weiter nach Savonlinna und gerade rechtzeitig vor dem Besuch der Burg Olavin-Linna kommt die Sonne raus. Kostenlose Parkplätze gibt es sogar kurz vor der Burg. Am Strand sehen wir komisch anmutende, nach Männlein und Weiblein getrennte Konstruktionen. Offensichlich sind es keine Toiletten und bei näherer Inspektion erkennen wir den Sinn: es sind Umkleidekabinen.

Der Weg zur Burg führt über eine fest installierte Pontonbrücke. Kein Kassenhäuschen vor der Burg ist besetzt und auch die Fußgängerampel über die Brücke ist außer Betrieb. Es ist halt keine Saison und so haben wir die Burg quasi für uns alleine. Im Eintrittspreis ist eine Führung inbegriffen und nur im Rahmen einer Führung darf man die Türme besteigen. Die englische Führung ist heute nicht gut besucht und so genießen Silvia und ich nicht nur eine Exklusivführung sondern auch den Zutritt zu Räumen, die bei großen Gruppen nicht geöffnet werden.







Für heute haben wir genug Kultur verinnerlicht und es zieht uns weiter nach Norden. Über die 464 und die 5 geht es zügig über Varkaus nach Kuopio, wo wir zusammen mit 2 Wohnmobilen aus Deutschland auf dem oberen Parkplatz bei den Skisprungschanzen übernachten. Der Anblick der Schanzen und der im Tal liegenden Landezone ist beeindruckend.





Es pfeift ein ordentlicher Wind, der uns die Mücken vom Leibe hält.


Tag 9


Die Nacht über den Dächern von Kuopio war mit 6 Grad etwas frischer. Am Morgen frühstücken wir dann in der Sonne und stärken uns für den Turmaufstieg. 400 Stufen sind es bis zur offenen Aussichtsplattform. Das darunter gelegene Restaurant hat geschlossen. Vielleicht öffnet es nur während der Sommermonate.


Von der Aussichtsplattform haben wir eine tolle Aussicht auf die umliegenden Seen und Wälder. Bis zum Horizont erstreckt sich das Bild, und Finnland scheint aus nichts anderem als Wasser und Wald zu bestehen.




Für den Weg nach unten nehmen wir den Aufzug und gehen rüber zu den Skisprungschanzen. An der klitzekleinen und kleinen Schanze wird trainiert. Durch die Skispur fließt Wasser und auch die Kunststoffmatten der Lande- und Auslaufzone werden nach einem Durchlauf gewässert.

Rechts und links vom Schanzentisch stehen die Trainer und Videoassistenten. Sie kommentieren per Funk jeden Sprung und stellen das Videomaterial zur späteren Analyse den Sportlern zur Verfügung.

Wir staunen nicht schlecht als wir realisieren, dass dort eine chinesische Gruppe von Finnen trainiert wird. Selbst die finnischen Trainer tragen die chinesische Flagge auf ihren Jacken. Es sind junge Frauen und Männer, die trainiert werden. Mit dem Sessellift geht es bis zur Schanze, aber bis ganz nach oben dürfen die Sportler die Treppe benutzen.

Wir brechen zur östlichen Umfahrung vom Kukkarinselkä auf, folgen erst der 539 und später einer Naturpiste bis nach Palokki. Dort besichtigen wir das Nonnenkloster Lintula. Schöne Gärten und gepflegte Felder erwarten uns. Das Gelände erstreckt sich bis zum See und wir genießen die Ruhe und das sonnige Wetter.






Im Café ist heute gar nichts los. Umso mehr überrascht uns die finnische Deutschlehrerin, die für das leibliche Wohl sorgt. Im Garten läßt es sich gut aushalten und wir schauen den Feldarbeiten zu.

Auf dem weiteren Weg machen wir einen Zwischenstopp bei der Schleusenanlage in Karvio, die normalerweise voller Boote ist. Heute ist absolute Ebbe und kein Boot weit und breit zu sehen. Die Schleusenwärter kümmern sich um die Rasenplege und putzen alles ganz fein für den sicherlich kommenden Ansturm heraus. Da es noch früh am Nachmittag ist, lassen wir den schönen Parkplatz an der Schleuse zurück und steuern einen anderen potentiellen Übernachtungsplatz an.




Wir biegen von der Landstraße nach rechts in den Wald ab und gleich darauf wieder nach links. Durch etwas Sand führt der schmale Waldweg immer tiefer in den Wald hinein. Kaum vorstellbar, dass hier Wohnmobile fahren. Bald darauf wird der Weg immer schmaler und felsiger, und spätestens hier kommt kein Wohnmobil mehr durch. Ich lege die Untersetzung ein und fahre auf einem schmalen Grat zwischen zwei Seen durch. Trotz Hinweisschildern sieht es nicht so aus, als ob hier dieses Jahr schon ein Fahrzeug vor uns gefahren ist.

Der Weg vom Grat herunter führt uns wieder auf die ursprüngliche Wohnmobilstrecke. Da sind wir wohl etwas zu früh abgebogen.

Den nächtlichen Stellplatz erreichen wir in Joensuu. An einer Bootsanlegestelle sind die Camper gerne gesehen und in der Übernachtungspauschale ist der Saunabesuch inbegriffen.

Silvia kocht jetzt erst einmal. Dann lauschen wir den blubbernden Motoren der vorbeicruisenden 2 und 8-Zylinder. Derweil lädt der Kamera Akku, damit ich noch ein paar Bilder einfügen kann.


Tag 10


Da für 09:00 eine kurze Regenschauer angekündigt ist, sind wir früh auf. Schnell zur Dusche rüber und nur ein kleines Frühstück genießen, da wir heute Mittag ein opulentes Essen planen.

Der Regen bleibt aus und bevor wir Joensuu verlassen nutzen wir die Gelegenheit, Diesel zum Preis von 1,384 €/L zu bunkern. Der Verbrauch hat sich erneut unter 10 L/100km eingependelt.

Über die 6 und 73 verlassen wir Joensuu in nordöstliche Richtung, um kurz nach Jakokoski zu einer historischen Schleusenanlage zu gelangen. Das Kanavamuseo Jakokoski erreichen wir über eine kleine Zufahrtstrasse am See entlang. Die großen Parkplätze sind genauso leer wie die Museumsanlage, aber alles ist herausgeputzt um zu Saisonbeginn die Besucher zu empfangen.





Über die 514 geht es nach Osten. In Ilomantsi steht die größte Orthodoxe Holzkirche Finnlands. Die Türen sind leider nur in der Hauptsaison geöffnet. Unser eigentliches Schlemmerziel ist das Ravintola Parppeinpirtti, das zwischen 11 - 16 ein richtig leckeres Mittagsbuffet anbietet. Die 24 € pro Person sind sehr gut investiert und wir schlemmen zusammen mit der Finnischen Polizei, Feuerwehr und den städtischen Angestellten (die sicherlich einen Rabatt bekommen).





Über die Via Karelia geht es weiter nach Norden. Wir wollen den östlichsten Punkt der EU besuchen, der 70 km östlicher als St. Petersburg liegt. Über einen Pfad erreichen wir einen kleinen Parkplatz und dürfen die restlichen Meter, durch eine Art Korridor, bis zu der Holzplattform am Grenzsee gehen. Auf einer kleinen Insel sehen wir den blau/weißen Finnischen Grenzpfahl und den grün/roten Russischen Grenzpfahl in schöner Eintracht nebeneinander stehen.




Uns begegnet auf der nächsten Etappe für über eine Stunde kein Fahrzeug. Die Naturpiste zieht sich durch endlose Wälder und führt erneut an vielen Seen vorbei. Wir biegen schließlich von der Via Karelia ab und durchfahren das Naturschutzgebiet Patvinsuon Kansallispuisto. An manchen Seen sind sogar Sandstrände und viele Wanderwege durchziehen das Gebiet.




Kurz vor dem heutigen Etappenende in Lieksa nehmen wir wieder Asphalt unter die Räder und suchen uns einen Übernachtungsplatz. Am Yachthafen werden wir fündig und stehen in der allerersten Reihe direkt am Wasser. Wir genießen die Abendsonne und das wohlverdiente Feierabendbier.






Tag 11


Für mich gibt es heute nur Kaffee zum Frühstück. Zum Mittag planen wir erneut ein Buffet ein, da wir ohnehin zur Mittagszeit am Bomba Haus in Nurmes sein wollen.

Wir verlassen den Stellplatz auf dem gleichen Weg, wie wir gestern angereist sind. Wir müssen um den halben Pielinen fahren, da die Fähre von Lieksa nach Koli immer noch nicht fährt und dies auf absehbare Zeit auch nicht mehr tun wird. Auch das am Pier nebenan liegende Schnellboot ist 2017 das letzte mal gefahren. Im Moment wird vermutlich die Maschine überholt.

Über die 73 geht es nach Süden, dann über die 518 und ein ganz kurzes Stück 515 Richtung Koli. Unser Garmin (kürzeste Strecke) schlägt uns einen Weg nahe am Westufer nach Koli vor, dem wir auch folgen. Eine gut befahrbare Waldpiste schlängelt sich Richtung Norden.

Kurz vor dem Berg Koli, der höchsten Erhebung Finnlands, zeigt ein Verkehrsschild eine Steigung an, aber ohne prozentuale Angabe. Das scheint dann wohl die allersteilste Auffahrt in Finnland zu sein, für die es keine Masseinheit gibt. Ganz so schlimm kommt es dann doch nicht und auf dem oberen Parkplatz ist noch eine Ecke frei. Über die Treppen gehen wir bis zum Informationszentrum und bekommen kostenlos Kaffee und Gebäck. Na ja, ganz kostenlos nicht. Wir nehmen uns die Zeit und füllen einen Fragebogen zum Tourismus in der Gegend aus.

Nach getaner Arbeit folgen weitere Stufen und wir stehen Top of Finland mit einer tollen Aussicht über dem Pielinen. Nur sehr wenige Touristen haben sich nach hier oben verirrt, aber immerhin zwei Hunde und eine Drohne. Noch stehen hier keine Flugverbotsschilder, so wie an jedem Highlight auf Island.




Nicht das mein Magen aufgrund des fehlenden Frühstücks knurrt, aber trotzdem geht es weiter nach Nurmes. Wir stehen vor dem geschlossenen Bomba Haus. Also kein Mittagsbuffet.

Im Supermarkt holen wir uns eine Kleinigkeit und fahren über die 75 nach Kuhmo. Die nächste Etappe verläuft etwas abseits der Hauptverkehrsströme, wir tanken voll. Der Verbrauch ist erneut unter 10 L/100 km. Ich putze noch die Scheiben für eine klare Durchsicht. Wir steuern einen Stellplatz in der Stadt an, der uns aber nicht so gut gefällt.

Ganz im Gegensatz zu dem Stellplatz am See, vom dem wir in wenigen Minuten zu Fuß bei den Stromschnellen sind. Ein 14 to Wohnmobil auf Mercedes Basis und ein Iveco Kastenwagen aus Österreich sind auch schon vor Ort, verschwinden aber vor Einbruch der Nacht. Nach dem Abendessen sitzen wir bei leichtem Wind und angenehmen Temperaturen vor dem Landy und hören in der Ferne das Rauschen der Stromschnellen.






Tag 12


Spät am gestrigen Abend kam noch eine Finnische Familie im Camper mit Hundeanhänger und ganz kurz ein großer Traktor mit einem Straßenabzieher zum Wenden.

Während wir frühstücken, wird der Platz von einem Berliner Kastenwagen mit vollem Campingausbau und Dachzelt angesteuert. Es scheint ein beliebter Platz zu sein.

Nach dem Frühstück fahren wir auf der 912 nach Norden. Die Schilder der Via Karelia weisen uns den Weg. Die Russische Grenze verläuft fast parallel zur Via Karelia und die Finnen durften die Nähe im Winter 1939/40 leidvoll erfahren. Im sogenannten Winterkrieg versuchte die Russische Übermacht, Finnland an seiner schmalsten Stelle zu teilen um dann nach Süden vorzudringen. Es ist den Russen nicht gelungen. Diesem 105 Tage dauernden Krieg ist ein Denkmal gesetzt und jeder der Steine symbolisiert einen Gefallenen auf beiden Seiten. 105 Glocken werden vom Wind gespielt und erinnern an die Zeitdauer des Krieges.




In dem angrenzenden Museum wird in einer 14 minütigen Filmvorführung (auch mit Deutschen Untertiteln) an die Vergangenheit erinnert und ein paar Exponate reichern die Ausstellung an. Ein kleines Café lädt zum Verweilen ein und das gefällt auch einer Campergruppe aus Frankreich.


Die Temperaturen sind weit jenseits von 20 Grad angekommen und wir wechseln die Klamotten. Kurze Hose und Sandalen sind unsere neuen Begleiter Richtung Suomussalmi und darüber hinaus.

Direkt an der 5 gelegen warten 1.000 Männer, Frauen und Kinder auf uns. Direkt neben dem Field Café, mit sehr leckeren Pfannekuchen aus dem Holzofen, stehen sie alle mit dem Gesicht zur Straße. Die Kleidung mutet zum Teil etwas altbacken an und auch die Frisur ist etwas eintönig. Der Künstler wird sich genau so etwas gedacht haben, wie jeder Besucher sicherlich auch so seine Gedanken hat.







Der Wald ändert sich. Es sind deutlich weniger Birken zu sehen als noch weiter südlich. Auch begegnen wir den ersten Rentieren am Strassenrand, noch ohne Santa Claus und Schlitten. In Kuusamo haben wir einen kleinen Campingplatz entdeckt, der nicht überlaufen ist. Dort lassen wir den Nachmittag und Abend ausklingen und schmieden die Wanderpläne für morgen.


Tag 13


Um es gleich vorweg zu nehmen: lauft die "Kleine Bärenrunde" im Uhrzeigersinn, so wie wir.

Von Kuusamo geht es über die 5 nur ein paar Kilometer nördlich, ehe wir nach rechts in den Oulangan kandsallispuisto Nationalpark abbiegen. Auf der Strassenkarte hatte ich etwas von Hängebrücken gelesen und im Reiseführer sind mehrere Wandertouren ab Juuma beschrieben.


Wir haben uns für die Kleine Bärenrunde von 12 km Länge entschieden und der Einstieg erfolgt über den Campingplatz. Die grüne Wegmarkierung ist gut zu sehen und ein paar Teilstücke des Weges scheinen kürzlich neu angelegt worden zu sein. So ist auch die erste Hängebrücke super in Schuss.




An der ersten Hütte brennt schon das Feuer und die Würstchen werden gegrillt. Das ist für uns etwas zu früh. Wir nehmen den linken Weg über die zweite Hängebrücke (immer nur eine Person auf der Brücke), um nach der Runde auf dem rechten Weg auszukommen. Das ist genau die richtige Entscheidung gewesen, da wir so die 60 m Treppenanlage im Lauf der Wanderung nach unten gehen und uns nicht gegen Ende der Wanderung die Treppen nach oben schleppen dürfen.






Die Kleine Bärenrunde verläuft in manchen Streckenabschnitten parallel zur Grossen Bärenrunde, die mit 82 km etwas für mehrere Tage ist. Wir treffen auf Wanderer, die mit schwerem Gepäck auf der langen Strecke unterwegs sind und in den Hütten übernachten können.



Nach 4 Stunden sind wir zurück. Die Strecke ist wirklich interessant und eindrucksvoll und kann somit bedenkenlos empfohlen werden.

Für den Rest des Tages steht nicht mehr viel auf dem Programm. Wird überqueren den Polarkreis und sehen uns in Kemijärvi die lange Eisenbahnbrücke an. Just in dem Moment rollt ein Militärkonvoi über die parallel verlaufende Strassenbrücke und wir staunen nicht schlecht darüber, dass sogar Kettenfahrzeuge über die normale Strasse fahren.





Am nördliches Ortsrand von Kemijärvi ist ein Campingplatz ausgeschildert. Sehr ruhig gelegen haben wir die riesige Wiese für uns. Vielleicht war das mal ein Fussballplatz mit einer 400 m Laufbahn drumherum.


Nachtrag: Wir sind gestern Abend auf der Wiese doch noch umgezogen. Die im Gästehaus einquartierten Arbeiter haben sich lautstark in unserer unmittelbaren Nachbarschaft unterhalten und die Mädelstruppe hat es ordentlich krachen lassen.


Tag 14


Die Sonne verwöhnt uns erneut mit ihren wärmenden Strahlen. Im Gästehaus ist es ruhig, als wir das Frühstück draußen am Ende der Campingwiese geniessen.

Für heute ist nicht so viel geplant und wir rollen gemütlich über die 82 nach Rovaniemi. Nördlich der 82 ist militärisches Sperrgebiet und wie schon gestern, ist allerhand militärisches Gerät unterwegs.

In Rovaniemi steuern wir schnurstracks zum Arktikum Polar Center und verbringen ein paar Stunden in der sehenswerten Ausstellung.


Innerhalb der sehr dunklen Ausstellung ist das Fotografieren leider verboten.

Ein weiteres "Highlight" der Gegend lassen wir uns nicht entgehen: Santa Claus in allen Facetten. Vom einfachen Restaurant über den Souvenirshop bis hin zum Santa Claus und Husky Dorf. Im Winter mag es ja ganz reizvoll sein aber jetzt im Sommer bei 28 Grad? Na gut, ein Foto darf es sein.


Zurück in Rovaniemi gehen wir einkaufen, lassen die Luft aus dem Tank und fahren den Kemijoki entlang. Auf halber Strecke nach Kemi finden wir unseren Schlafplatz am Flußufer mit Badestrand, Grillhütte und DC.




Tag 15


Sirenenalarm um 02:00! Waldbrand? Kommen die Russen über die Grenze? Oder gar die Schweden?

Nein, die nahe Staustufe macht auf und alle etwaigen Personen im seichten Flußlauf stromabwärts werden vor der Flutwelle gewarnt. Nach einer Minute ist die Sirene wieder still und ich schlafe mit dem Wasserrauschen ein.

Nicht lange, denn alle um uns herum wohnenden Vögel machen bei Sonnenaufgang ordentlich Radau. So sind auch wir um 07:00 mit den Sonnenstrahlen auf dem Hubdachstoff auf und frühstücken. Mit dem noch warmen und feuchten Kaffeepulver reiben wir unsere Kuska ein. Dieser wünderschöne, aus einer Birkenknolle in Lappland hergestellte Kaffeebecher, muß vor Gebrauch behandelt werden. Ab morgen früh wird er benutzt.

Wir fahren den Kemijoki Richtung Mündung, biegen jedoch schon bei Paakkola auf die 927 ab und folgen an deren Ende der 21 für ein paar wenige Kilometer nach Norden.

Bei Kukkolankoski, Finnlands längsten zusammenhängenden Stromschnellen, legen wir die erste Pause ein. Fischer sind zahlreich vertreten. Die Angelmethode per Kescher ist anstrengend und erfolglos. Das Fischen per Angelrute hat da mehr Erfolg und vor meinen Augen werden zwei kapitale Lachse aus dem Wasser gezogen.




Am Bottnischen Meerbusen angekommen empfängt uns Regen. Über die 4 machen wir ein paar Kilometer Strecke und sehen uns südlich von Oulo die Ausstellung im WWF Information Center an. Als wir wieder heraus kommen hat der Regen aufgehört. Wir fahren noch etwas weiter Richtung Süden über Raahe und Kalajoki und gönnen uns ein leckeres Eis.



Einen tollen Übernachtungsplatz finden wir bei den Sanddünen von Ohtakari.

Und auch hier finden wir die typisch Finnische Ausstattung vor: Trockenklo, Umkleide, Grillplatz, Grillholz und zusätzlich noch zwei Beachvolleyball Plätze. Zum Abendessen machen wir uns leckere Burger und lassen den Tag bei schönem Sonnenlicht ausklingen.





Draussen ist es sehr lange hell und wir lesen im Hubdach bis 23:00, ohne eine andere Lichtquelle zu benötigen.


Tag 16


Wir haben die Nacht zusammen mit einem Wohnmobil aus England auf dem Platz gestanden. Es war erneut so herrlich ruhig, dass wir ganz ausgezeichnet geschlafen haben.

Nach dem Frühstück kümmere ich mich um unser Abblendlicht. Die linke H4 Birne hat gestern im Laufe des Tages ihren Geist aufgegeben. Ich habe immer 2 Paar H4 Leuchtmittel als Ersatz dabei und der beidseitige Wechsel ist schnell und routiniert erledigt.

Über Seitenstraßen führt der Weg zurück zur 8 und wir wollen zwischen Kokkala und Jakobstad die Schärenwelt entlang der 749 erkunden. Bei der Planung ist etwas schief gelaufen und das Garmin zeigt plötzlich unser nächstes Ziel nördlich von uns an. Wir drehen, verpassen einen Teil der Strecke aber machen trotzdem an der Fischräucherei halt. Die frisch geräuscherten Fische werden ausgewogen und bezahlen dürfen wir im gegenüberliegenden Laden. Alles ganz problemlos, auch ohne kompatible Sprachkentnisse.


Nur ein paar Minuten von der 8 entfernt liegt ein wunderschöner Rastplatz am Wasser. Zu der alten Sitzgarnitur haben sich zwei Neue gesellt, und auch Trockenklo und Mülltonne sind vorhanden. Das Highlight ist allerdings der Sprungturm, der trotz der für uns etwas befremdlichen Temperaturen, von den Locals benutzt wird.




Nördlich von Vaasa verlassen wir die Stadt und fahren weiter Richtung Kvarken Archipelago. Ganz am Ende der Straße, noch hinter Björköby, ist ein großer Parkplatz mit angrenzendem Wandergebiet. Das ist der erste Parkplatz auf der bisherigen Tour, der zu bezahlen ist. 2 € für 4 Stunden oder 4 € für 24 Stunden. Im allgemeinen empfinden wir Finnland als ein eher erschwingliches Reiseland.

Ein ehemaliger Fischereihafen zeugt von vergangenen, fetten Jahren. Viele alte Lagerhäuser, in denen der gesalzenen Hering gelagert wurde, sind weiträumig verteilt. Im Hafen selbst sind viele Bootsschuppen und an den Stegen liegen hier und da die modernen Nachfahren der Fischerboote.



Wir nehmen einen kleinen Rundwanderkurs unter die Stiefel und besteigen den 20 m hohen Aussichtsturm. Die Aussicht in alle Himmelsrichtungen ist grandios. Der restliche Teil der Wanderung gleicht dann leider eher einer Jagd: Mücke gegen Mensch, und wir haben das ANTI-BRUMM weder benutzt noch dabei. Die restliche Strecke nehme ich nur durch ein schmales Sichtfenster der mir über den Kopf gestülpten Fleecejacke wahr. Wir sind froh, als wir wieder mitten im Wind am Wasser sind und sich die Mücken nicht halten können.





Die ganze Gegend ist so traumhaft schön, dass wir nach einem Übernachtungsplatz Ausschau halten. An einer öffentlichen Badestelle werden wir fündig. Eine sehr gepflegte Anlage mit Badestrand, Umkleide, Grill und Trockenklo wirkt sehr einladend. Ein Kastenwagen aus Hannover ist schon da und wir suchen uns ein schönes Plätzchen auf einer Wiese zwischen den Findlingen. Was für ein Platz!




Tag 17


Die nahe gelegene Landstraße hat die Nacht nicht gestört und wir haben super geschlafen, so eingebettet in Mutter Natur.

Zum Frühstück wurde die Kuksa erneut benutzt, so wie es die Eintrinkregel vorschreibt. Ein wirklich schönes Mitbringsel für alle kommenden Touren. Im Landy war es mit aufgestelltem Lattenrost schön gemütlich. Draussen war es heute früh noch etwas zu frisch für uns Mitteleuropäer.

Bei der Durchreise durch Vaasa haben wir in einem ALKO Geschäft etwas Wein gebunkert und sind anschließend durch einen super sortierten Heimwerkermarkt spaziert. Von der 4 mm Schlauchschelle bis zum 40er Ringschlüssel wird hier so alles angeboten, was Waldarbeiter und LKW-Schrauber benötigen und Männerherzen generell schneller schlagen läßt.

Auf der 3 fahren wir zügig nach Südosten und machen bei Luopa einen Aussichtsturm unsicher. Wir wundern uns zwar immer wieder darüber, wo die Finnen überall die Grillkultur unterstützen, sind aber trotzdem von dem ausgezeichneten Grillplatz am Fuße des Turms überrascht. Die Turmbesteigung erfolgt in zwei Etappen. Zuerst über eine Holztreppe bis zur ersten Aussichtsplattform und dann über eine Wendeltreppe aus Drahtrosten mit freier Durchsicht. Das ist nicht ganz mein Fall, aber wir wagen trotzdem den Aufstieg.





Die Aussicht ist wenig spektakulär, da die flache Umgebung nicht so viel hergibt. Da ist der Abstieg über die Gitterroste doch schon viel aufregender.

Zur Mittagszeit machen wir Rast in Juustoportti. Hier gibt es für 10,90 € ein ganz leckeres Lounas-Buffet und man kann der Käsefertigung nicht nur zusehen, sondern im angrenzenden Shop auch direkt den Käse und andere Köstlichkeiten aus dem Land einkaufen. Auch den Dieseltank füllen wir für 1,34 €/L auf. So günstig haben wir auf unserer Reise in Finnland noch nicht getankt.



Das Garmin zeigt uns den kürzesten Weg bis zur nächsten Wanderung und wir cruisen bei schönstem Sonnenschein durch Wälder, entlang grüner Felder und vorbei an vielen schönen Holzhäusern und Hofanlagen. Und auch die Rasenflächen sind immer perfekt gepflegt.

Der Wanderparkplatz, von dem wir unsere kleine Runde starten, würde sich auch perfekt für eine Übernachtung eignen. Von der Grillhütte bis zum Badesteg ist mal wieder alles vorhanden und super gepflegt. Auf halbem Weg lädt ein kleines Café mit selbst gebackenem Kuchen zur Rast ein.




Dann sind es nur noch knapp 40 Minuten bis zu dem von uns ausgewählten Campingplatz für die Nacht. Eine gute Entscheidung, lernen wir doch so ein finnisches Overlander Paar mit einem Unimog U1300 kennen. Am U1300 wurde viel an Achsen, Motor und Antrieb verbessert und sogar Sibirien hat er schon gesehen. Als ehemaliger Land Rover 109 Fahrer ist er aber von unserem Landy auch sehr begeistert, insbesondere von dem Hubdach und dem Holzausbau.



Diese Nacht soll es etwas kälter werden, aber das stört uns in den Daunenschlafsäcken wenig.



Tag 18


Die Nacht war frisch, aber nicht kalt. Wir frühstücken im Landy. Die Standheizung wird turnusmäßig einmal im Monat freigebrannt und heute paßt es ganz gut. Kamera- und Handyakku werden noch voll geladen und dann geht es auch schon los.

Auf dem Weg zu unserem ersten Ziel machen wir einen Verpflegungshalt in Saarijärvi und schauen uns die Kirche leider nur von außen an.




Über eine Nebenstraße erreichen wir den Nationalpark Pyhä-Häkin kansallis-Puisto. Der dortige Wald ist selbst für die Finnen etwas ganz Besonderes. Die Bäume sind bis zu 550 Jahre alt. Vom Parkplatz aus führt eine 6,5 km lange Runde durch den Wald und auch auf Plankenwegen durch die Hochmoore. Natürlich gibt es unterwegs auch eine Grillhütte, welche von einer Wandergruppe belagert ist. Neben der Grillhütte liegt ein wunderschöner See, der über einen Steg mit Leiter erschwommen werden kann. Ein Golden Retriever ist fast nicht mehr zu bremsen und hechtet in das Wasser, ohne sich um die Leiter zu kümmern.







Im Hochmoor liegen neue Planken für die Saison bereit. An manchen Stellen ist doch etwas Balance nötig, um nicht die Bekannschaft mit dem Moorgeist zu machen.




Nach Wanderung und Mittagessen falle ich ins Suppenkoma und Silvia übernimmt erneut die Mittagsetappe. Über die 4 geht es ein ganzes Stück Richtung Süden, ehe sie Richtung Suolathi abbiegt. Ich werde genau an der zu besichtigenden Schleuse wach. Es ist weder in noch vor der Schleuse etwas los. Auch im Restaurant vor Ort nicht. Es sind noch 2 Wochen bis Midsommer und ab da machen auch die Finnen Sommerurlaub.



Die restlichen Kilometer übernehme ich das Steuer und wir fahren ins nahe Kuusaa. An den dortigen Stromschnellen gibt es einen Parkplatz mit Wiese und wir teilen uns den Stellplatz mit einem Wohnmobil aus Holland. Das Wasserrauschen wird uns während der Nacht begleiten.




Tag 19


Wir sind heute richtig früh raus und machen uns auf den Weg zu einem UNESCO-Welterbe: die alte Kirche von Petäjävesi. Gebaut in den Jahren 1763-65 ist sie heute nahezu im Originalzustand erhalten.






Die 607 führt uns dann an das nördliche Ufer des Päijänne, den wir über die sehr malerische 610, 612 und 314 an dessen Ostseite befahren.

In Vääksy passieren wir erneut eine Schleusenanlage ohne Schiffe, obwohl hier jedes Jahr 10.000 Schiffe geschleust werden. Die Saison hat anscheinend noch nicht angefangen.



In Lahti parken wir direkt neben dem Stadion und sehen uns die Skiflugschanzen an. Der Auslauf ist deutlich kürzer als bei den Schanzen in Kuopio, aber dafür liegt ein Freibad in der Auslaufzone der großen Schanze. Welche nordische Kombination hier wohl trainiert wird?

Mit einem Kombiticket für Sessellift und Aufzug fahren wir auf die große Schanze hoch. Der Wind pfeift ordentlich und meine Beine werden etwas schwummerig. Alleine der Blick in die Tiefe läßt jegliche sportlichen Ambitionen erstarren und mein Respekt vor den Skispringern und -fliegern steigt exponentiell. Aber auch die anderen Gerüste und Kanzeln für die Wertungsrichter und Moderatoren sind absolut nicht meine Welt. Den Sessellift in die Tiefe schenken wir uns und gehen zu Fuß zurück zum Landy.






Von Lahti geht es weiter nach Westen. Regen kündigt sich an. Wir wollen heute nicht kochen. Das Internet verrät uns einen Top Kandidaten für Burger in Hämeenlinna. Im 5th Avenue (mit Sauna) schmeckt es vorzüglich und auch das Ambiente stimmt.





Auf einem Parkplatz bei einer Badestelle am See finden wir einen Übernachtungsplatz. Was wir morgen unternehmen, machen wir vom Wetter abhängig. Genug Museen gibt es in der Umgebung.


Tag 20


Nach einem ordentlichen Regenguss gestern Abend war es das mit dem Regen und somit ist die Finnische Wetterapp genauso präzise wie die anderen Europäischen Kumpel.

Der Übernachtungsplatz im Wald war sehr ruhig und bis auf ein paar Kinder, die unbedingt an dieser Stelle schwimmen wollten, hatten wir keinen weiteren Besuch.


Nach dem Frühstück sind wir schnell bei unserem ersten Ausflugsziel, der Burg Häme in Hämeenlinna, angekommen. Im Ortskern selbst führt eine Stossdämpfer Teststrecke zum Parkplatz, den wir für 3 Stunden kostenlos benutzen dürfen. Das sollte für eine Burg ohne Möbel selbst bei 3 Etagen ausreichend sein.





Nach dem Burgbesuch führt uns die 130 zu einem Glasmuseeum bzw. zur Firma iittala, Finnlands größter und noch aktiver Glasmanufaktur.

Besucher gehen einfach am Hauptgebäude entlang bis zum Besuchereingang. Im Foyer sind ein paar Bilder und Schautafeln ausgestellt, aber richtig heiß her geht es in der 1. Etage in der Produktionshalle.





Das Gelände neben der Firma hat einige Versuchungen zu bieten, von denen wir einen erliegen. Das Lounas Buffet erspart uns das Kochen, die Schokoladenmanufaktur zwingt zur nächsten Wanderung.

iittala gehört zur Fiskars Gruppe. Neben schönem Porzellan, Gläsern und Besteck im kühlen nordischen Stil gibt es auch Beile, Äxte, Kochtöpfe und Messer von Fiskars zu kaufen. Leider, oder zum Glück, haben wir einen kompletten Haushalt.

Ein wirkliches Kleinod, von dem bedeutenden Finnischen Künstlers Emil Wikström, liegt nur wenige Kilometer weiter nördlich an der 130. Sein Atelier und Wohnhaus ist jeden Cent der 8 € Eintrittsgeld wert.








Die 130 Richtung Tampere führt über Inseln und Brücken bis Valkeakoski. Der dortige Campingplatz entspricht nicht ganz unseren Vorstellungen. Da es noch früh am Nachmittag ist, fahren wir die letzten Kilometer bis Tampere, wo wir für diese Nacht auf dem Campingplatz in Pirkkala stehen.


Die Lupinenansammlungen rechts und links der Strasse sind eine Wucht.





Tag 21


Die Markise packen wir mit ein paar Tropfen Tau ein und müssen sie heute Abend halt trocknen. Es ist grau und bewölkt. Wir müssen uns noch ein paar Stunden vertrösten, ehe die Sonne später am Nachmittag zum Vorschein kommen wird.

Wir fahren die 4 km bis in die Innenstadt von Tampere und parken vor dem Museumskomplex vollkommen kostenlos. Es sind von dort nur 600 m zu Fuß in die Innenstadt, vorbei an gut restaurierten, alten Firmengebäuden.



Uns führt der direkte Weg in die Markthalle, wo es alle möglichen Gaumenfreuden zu bestaunen und kaufen gibt.






Wir bleiben bei einem der zahlreichen Bäcker stehen und kaufen ein leckeres Roggenbrot. Den zweiten Kaffee heben wir uns für den nächsten Zwischenstopp auf. Im Kult-Café am Näkötorni überzeugen wir uns selbst von den excellenten Munkki und arbeiten ein paar Milli-Kalorien auf den 141 Stufen zur Aussichtsplattform ab.





Ganz in der Nähe von Tampere liegt die Stadt der Gummistiefel, Handys und PKW/LKW-Reifen: Nokia.


Unsere Fahrt Richtung Küste führt über kleine Landstraßen am Kulovesi und Eurajoki entlang bis Rauma. Die Altstadt ist eine wahre Augenweide. Holzhäuser aus mehreren Jahrhunderten sind mal mehr, mal weniger gut in Schuss gehalten.








Über eine kleine Küstenstraße fahren wir Richtung Süden durch eine wunderschöne, wenig besiedelte Landschaft. Auch hier sind die Gärten wie aus dem Ei gepellt und Rasenmähen ist samstägliches Pflichtprogramm. Bei Pyhäranta finden wir einen kleinen, ruhigen Campingplatz. Eine ebene Wiese lädt zum Verweilen ein. Sauna und Badesteg sind auch da.

Vielleicht machen wir hier Urlaub und bleiben zwei Tage.